Fachberater 2007
Thema: Hohe Bienenverluste / Kästen und Waben desinfizieren / Honigpreis -
Dieser Winter bot, wie kaum ein anderer, sehr gute Behandlungsbedingungen, selbst in höheren Lagen. Somit sollten alle Bienen behandelt sein. In der Zwischenzeit haben einige Imkervereine über höhere Bienenverluste (bis zu 40% der Völker, einige Imker mit Totalverlusten) berichtet. Nur wenige sind mit ihren Bienen einigermaßen zufrieden. Fast alle klagen über vergleichsweise schwache Völker. Sollte der Winter besonders lange dauern, werden von den schwachen Völkern sicher viele nicht überleben. Es wird jeder froh sein müssen, wenn er im Frühjahr noch eine gute Basis zur Völkervermehrung vorfindet. Hoffen wir das Beste.
Kästen und Waben desinfizieren
Da die varroageschädigten Völker meist auch noch andere Krankheitserreger aufweisen, sollten die leer gewordenen Kästen im Frühjahr nicht einfach wieder mit Bienen gefüllt werden. Eine gründliche Desinfektion beugt einer Neuansteckung vor. Das sicherste Mittel ist das Ausflammen mit einem Gasbrenner. Am besten eignet sich dazu ein großer Propangasbrenner, wie ihn z.B. die Dachdecker verwenden. Da sich nicht jeder ein solches Gerät leisten will (der Brenner ist im Baumarkt eigentlich nicht teuer, aber man braucht ja auch eine Flasche) sollte sich der Verein über eine Gemeinschaftsanschaffung Gedanken machen. Eine sicherheitstechnische Einweisung wird empfohlen. Die wichtigsten Punkte sind:
- Sicherheitseinrichtungen: Druckminderer (für gewerblichen Gebrauch zugelassen!) und Schlauchbruchsicherung
- Anschlüsse sorgfältig prüfen
- Immer im Freien arbeiten
- Mit der Flamme nicht in Richtung Gasflasche und Schlauch arbeiten
- Abgeflammte Beuten und Teile im Freien auskühlen lassen (Brandgefahr!)
Vor der eigentlichen Desinfektion, ist das Abkratzen aller Anhaftungen von Wachs, Propolis oder grober Verschmutzungen angebracht. Es genügt eine leichte Braunfärbung der Oberfläche. Wachs- und Propolisgetränke Stellen fangen etwas zu bruzeln an.
Leicht brennbares Material, wie z.B. Kunststoff, wird mit einer Natronlauge desinfiziert. Man stellt dazu eine 1%ige Lauge aus Natriumhydroxid und kaltem Wasser her. In einem Gefäß (Wanne), das groß genug ist, die zu reinigenden Gegenstände zumindest teilweise einzutauchen, bürstet man besonders die Innenseiten, mit denen die Bienen in Kontakt kommen, gut ab und spült mit klarem Wasser gründlich nach. Diese Arbeit ist nicht ungefährlich und erfordert das Tragen von Schutzkleidung (Schutzbrille, Gummihandschuhe, -Schürze, -Stiefel). Die Behandlung mit einer 1%igen kalten Lösung ist für den prophylaktischen Einsatz ausreichend. In der Seuchenbekämpfung wird mit höherprozentigen, heißen Lösungen gearbeitet, die wirkungsvoller, aber auch gefährlicher sind. Dies ist auch ein Hauptgrund, Holz als Beutenmaterial zu bevorzugen.
Mit den abgeräumten Beuten sind auch viele Leer- und Futterwaben angefallen. Die Waben werden großzügig ausgesondert und eingeschmolzen. Die meisten Erreger sind sehr wärmeempfindlich und überleben die Schmelztemperatur nicht, zumal, wenn im Dampf oder in kochendem Wasser geschmolzen wird (Ausnahme: Amerikanische Faulbrut!).
Alle übrigen Waben sollte man mit den Dämpfen einer 60%igen technischen Essigsäure behandeln. Dabei wird ähnlich verfahren, wie bei einer Ameisensäurebehandlung. Da man nicht auf Bienen Rücksicht zu nehmen braucht, verwendet man möglichst großformatige Verdunstungsträger, z.B. saugfähige Pappe im DIN A4-Format oder mehrere Schwammtücher, die man am besten in eine niedrige Schale auf den Wabenstapel in ein Leermagazin stellt. Pro Liter Rauminhalt sind 2 ml Säure notwendig (= ca. 70 ml pro Magazin), die, wie die Ameisensäure, eine ausreichende Temperatur benötigt (mindestens ca. 20°C). Essigsäure ist auch gegen viele Mikroorganismen und Krankheitserreger wirksam, wie Nosema, Amöben, Kalkbrut sowie Pollenmilben und bedingt auch gegen Wachsmotten. Da man die Waben so bald nicht brauchen wird, kann man hierzu die ersten warmen Tage im Frühjahr abwarten. Vor weiterem Bienenkontakt sind die Waben gut zu lüften, besonders, wenn die Essigsäurebegasung noch nicht lange zurück liegt.
Honigpreis
Die meist noch guten Honigvorräte werden die Imker nicht in Not versetzen. Durch den Abverkauf des bis 2006 angehäuften Bestandes werden die monatlichen Einnahmen in der Imkerei kontinuierlich weiter gehen. Der Völkerrückgang wird den Abbau der Honigbestände beschleunigen. Das trägt positiv zur nötigen Preisstabilisierung bei. Jeder wirtschaftlich denkende Imker sollte aber die Winterausfälle als Kostenfaktor einkalkulieren. Jedes nicht-überwinterte Volk hätte im Frühjahr ca. 100 € Verkaufserlös bringen können. Somit liegt nicht ganz falsch, wer seine Mehrkosten mit Völkerverluste x 100 € veranschlagt. Auch wenn es Schönrechner gibt, die behaupten, mit weniger auszukommen. Es gibt also wirklich keinen Grund zu Billig-Honigverkäufen.
Viel Erfolg bei der Vermarktung und den letzten Wintervorkehrungen.
Mit freundlichen Grüßen
Armin Spürgin
Fachberater für Imkerei
Regierungspräsidium Freiburg
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Thema: Varroabekämpfung / Kandiertes Winterfutter / Waben desinfizieren / Amerikanische Faulbrut -
Gelegentlich höre ich, daß manche Imker erst im Januar an die Winterbekämpfung der Varroamilben gegangen sind oder noch gar keine Behandlung gemacht haben. Das ist äußerst fahrlässig! Zumindest die stärkeren Völker haben zum Teil schon seit Ende Dezember Brut. Die nassen Gemülleinlagen und Fluglöcher zeigen dies deutlich an. Auch die Stockthermometer einiger Stockwaagen weisen schon länger eine erhöhte Temperatur auf. Wer also, aus welchen Gründen auch immer, noch keine Varroabekämpfung durchgeführt hat, sollte dies schnellstens tun. Allerdings muß dabei jedes Volk auf Bruttätigkeit kontrolliert und alle verdeckelte Brut vor der Behandlung entfernt werden. Bitte denken Sie daran, daß ein Großteil der heutigen Probleme mit den Völkerverlusten auf den warmen Winter 2006/07 und das Durchbrüten der Völker zurückzuführen ist.
Kandiertes Winterfutter
In den Waben eingegangener Völker findet man häufiger hart kandiertes Futter. Meist ist es in einem mehr oder weniger breiten Gürtel über dem ehemaligen Bienensitz eingelagert. Dabei handelt es sich nicht um Futter, das von der Einfütterung stammt, sondern um spät eingetragenen Honig. Das kann man leicht überprüfen, indem man das feste Futter probiert. Es schmeckt hocharomatisch und würde sich bestimmt in einem Honigglas gut machen. Vermutlich handelt es sich um Efeuhonig (Untersuchungsergebnis steht noch aus). Alle Imker, die mir bis jetzt von diesem Phänomen berichteten, haben die Wintereinfütteung mit Isoglukosesirup (Stärkezucker) durchgeführt. Um abzuklären ob bei Zuckerwasser oder Invertzuckersirup (z.B. Apiinvert) ähnliches passieren kann, bitte ich um entsprechende Mitteilung. Wenn Sie also kandiertes Winterfutter festgestellt haben, obwohl Sie kein "Franzosenfutter" eingefüttert haben, lassen Sie es mich bitte wissen.
Waben desinfizieren
Im letzten Rundschreiben habe ich die Desinfektion der Waben eingegangener Völker mit 60 %iger Essigsäure empfohlen. Dabei habe ich mich auf Dosierungen aus der Imkerliteratur gestützt. Diese Aufwandmengen sind aber recht hoch. Da diese Behandlung erst bei ausreichenden Temperaturen erfolgen kann, komme ich mit der hier korrigierten Anwendungsempfehlung noch rechtzeitig. Sie sieht folgendermaßen aus:
Zwischen jede Einheit und auf das oberste Magazin legt man jeweils ein Schwammtuch, das mit 30 ml 60 %ige Essigsäure getränkt wurde. Der Wabenstapel wird natürlich mit einem Deckel verschlossen. Für eine ausreichende Verdunstung sollte die Temperatur deutlich über 20 Grad liegen. Nach oben gibt es keine Grenze, da hier ja keine Bienen behandelt werden. Die Säuredämpfe zerstören die wichtigsten, den Waben anhaftenden Krankheitserreger. Vor weiterem Bienenkontakt sind die Waben gründlich zu lüften, insbesondere, wenn dei Behandlung noch nicht lange zurück liegt (siehe auch Beitrag in der Februar-ADIZ).
Amerikanische Faulbrut
Waben mit abgestorbener Brut werden grundsätzlich eingeschmolzen oder verbrannt. Zuvor sollte sie aber genau auf Symptome der Amerikanischen Faulbrut untersucht werden (fadenziehende Masse, festsitzender Schorf). Der etwas höhere Faulbrutstand des vergangenen Jahres ist zumindest teilweise darauf zurück zu führen, daß bei abgestorbener Brut nicht mehr so genau hingeschaut wird. Sie wird einfach unter der Rubrik: Varroa abgehakt und vergessen. Nur bei Früherkennung kann die Ausbreitung und die Höhe des Sanierungsaufwandes in Grenzen gehalten werden. Deshalb immer daran denken: Schon der Verdacht ist anzeigepflichtig! Wer unsicher ist, zieht einen erfahrenen Imker oder den BSV zu Rate.
Honigmarkt
Den ersten Imkern gehen die Honigvorräte aus. Die Belieferung der Kundschaft sollte dennoch kontinuierlich weiter laufen. Damit die Imker mit Honigknappheit jene mit Honigüberschuss leichter finden, ist der Honigobmann des Landesverbandes Badischer Imker, Friedrich Perschil, wie schon in der Vergangenheit, als Vermittlungsstelle tätig. Wer also Honig zur Abgabe in größeren Mengen (Lagergebinde) anzubieten hat oder Honig zum Wiederverkauf sucht, kann sich an folgende Adresse wenden:
mailto:f.perschil@t-online.de
Telefon: 07664 7376
Neben der genauen Adresse mit Telefonnummer sollte auch die Honigsorte und ggf. auch die -Menge angegeben werden, die man anbietet oder sucht. Die Preisbildung ist dann Verhandlungssache der Interessenten.
Mit freundlichen Grüßen
Armin Spürgin
Fachberater für Imkerei