Das Nervengift Clothianidin tötet zwischenzeitlich

Von: Landesverband Badischer Imker e.V. [mailto:LV.Bad.Imker@t-online.de]
Gesendet: Freitag, 16. Mai 2008 23:56
An: 'peter.hauk@mlr.bwl.de'; 'joachim.Hauck@mlr.bwl.de'; 'Dieterich, Wilfried (MLR)'

Betreff: Das Nervengift Clothianidin tötet zwischenzeitlich auch die Königinnenlarven - PONCHO-Zulassung ruht - Aussaat geht weiter

Sehr geehrter Herr Agrarminister Hauk MdL,

die Hiobsbotschaften aus der Todeszone unserer Honigbienen reißen nicht ab. Nachdem ein Großteil der Flugbienen in den Bienenvölkern abgestorben ist, melden die Imker, dass die gezüchteten Bienenköniginnen in ihren Weiselzellen absterben. Der stille Tod unserer Honigbienen erreicht damit eine neue Qualität.

Zwischenzeitlich haben die Untersuchungsergebnisse die Vermutungen der Imker bestätigt, dass der Pollen in den Bienenvölkern in hoher Dosis das tödliche Nervengift Clothianidin enthält. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BLV) in Braunschweig hat deshalb am 15.06.2008 gleich für acht verschiedene Maisbeizmittel (u. a. für PONCHO von Bayer) das sofortige Ruhen der Zulassung angeordnet. Damit kommt das BLV einer zentralen Forderung des Landesverbandes Badischer Imker e. V. nach.

Keinerlei Verständnis haben unsere Imker für Ihre Entscheidung, die weitere Aussaat von PONCHO PRO gebeiztem Mais nicht zu stoppen. Dies war die zweite zentrale Forderung der badischen Imker, die verhindern sollte, dass Landwirte bereits gekaufte Vorräte über die Aussaat entsorgen und damit die hoch mit giftigem Feinstaub angereicherte Region weiter zu belasten. Ihre Empfehlung an die Landwirte, die Aussaat auszusetzen, verlagert das Kosten- und Entsorgungsrisiko voll auf die Schultern der betroffenen Landwirte.

Grund meines Schreibens sind allerdings die ungeklärten Fragen der Imkervereinsvorsitzenden des Ortenaukreises, die am 14.05.2008 die Katastrophenlage in ihrem Gebiet beraten haben:

Ist der Pollen mit dem Nervengift Clothianidin kontaminiert? Diese Frage kann offensichtlich aufgrund der vorliegenden Untersuchungsergebnisse zwischenzeitlich bejaht werden. Damit erklärt sich auch die Rückmeldung der Imker, die aus der Todeszone in unbedenkliche Regionen abgewandert sind und trotzdem das weitere Sterben ihrer Völker beobachten. Damit erklären sich auch das Absterben der Bienenbrut und der noch nicht geschlüpften Bienenköniginnen. Gewonnener Blütenpollen aus diesen Völkern wäre nicht mehr verkehrsfähig.Ist der Honig mit kontaminiertem Pollen belastet? Aus den Genmais Versuchen in Forchheim ist bekannt, dass genveränderter Pollen im Honig gefunden wurde. Honig, der mit Clothianidin kontaminerten Pollen belastet ist, wäre ebenfalls nicht mehr verkehrsfähig. Ist das Propolis mit dem Nervengift Clothianidin kontaminiert? Propolis findet im Bereich der Apitherapie Anwendung.Sind das Bienenwachs und die Waben aus absterbenden Völkern mit dem Nervengift belastet? Können die Bienenwaben unbedenklich weiter verwendet werden?Besteht aufgrund möglicher Belastungen der Beuten ein Risiko bei der Weiterverwendung? Für Clothianidin ist eine Halbwertszeit von 120 Tagen angegeben. Welche Abbauprodukte entstehen und was ist über ihre Wirkungen bekannt?Ist bekannt, ob die Maisblüte im Pollen die giftige Substanz Clothianidin enthält? Nach der Produktbeschreibung entfaltet der Wirkstoff seine Wirkung bis in den Sommer hinein. Im positiven Fall brächten die Bienen Ende Juni/Anfang Juli erneut kontaminierten Pollen in das Volk, der eine Schädigung der jung aufgezogenen Bienen nach sich ziehen könnte.Und die Hauptfrage bleibt: Wann hört das seit 22 Tagen andauernde Massensterben der Honigbienen und aller anderen Blüten besuchenden Insekten in der Rheinebene endlich auf?
Sehr geehrter Herr Minister Hauk, Sie sehen an den gesammelten offenen Fragen, wie groß die Not und gleichzeitig die erlebte Ohnmacht ist, der sich unsere betroffenen Imkerinnen und Imker ausgesetzt sehen. Nun haben die Untersuchungsbehörden entgegen anderer negativer Erfahrungen sehr schnell die Ursachen des Massensterbens der Honigbienen aufgeklärt. Die betroffenen Imkerinnen und Imker bitten nun darum, mit dem gleichen Nachdruck die aufgelisteten Fragen einer schnellen und eindeutigen Klärung zuzuführen.

Für Ihre Unterstützung bei der Bewältigung der Umweltkatastrophe danken wir und verbleiben

mit freundlichen Grüßen

Ekkehard Hülsmann
Vorsitzender
Landesverband Badischer Imker e. V.
Bahnhofstr. 35
77767 Appenweier
Tel.: 07805 2010
Fax 07805 2093