Sehr geehrter Herr Minister Dr. Schäuble MdB,
sehr geehrte Frau Dobrinski-Weiss MdB,
sehr geehrte Frau Laurischk MdB,
sehr geehrter Herr Bonde MdB,

wie Sie sicher aus der Presse entnommen haben, sind wir in der Rheinebene seit 20 Tagen von einem Massensterben unserer Honigbienen betroffen. Die Honigbienen sind allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Denn wie die Honigbienen sterben auch alle Blüten besuchenden Insekten, wie z. B. Wildbienen, Hummeln usw. Dem Grund dieses Massensterbens unserer Honigbienen sind wir Imker am vergangenen Sonntag auf die Spur gekommen. Dieses Jahr wird erstmalig der Mais gegen den Maiswurzelbohrer mit PONCHO PRO (BAYER) gebeizt. Es handelt sich dabei um das Nervengift Clothionidin, das in der Produktvariante „PRO“ die zweieinhalbfache Wirkstoffmenge enthält im Vergleich zum Basisprodukt „PONCHO“. Die Zusammenhänge können Sie aus den Informationen aus unserer Hompage www.badische-imker.de entnehmen.

Gestern fand nun das von uns geforderte Expertengespräch des Baden-Württembergischen Landwirtschaftsministeriums mit 35 Fachleuten aus ganz Deutschland statt. In der heute veröffentlichten Presseerklärung von Minister Peter Hauk MdL wird deutlich, dass jetzt der Kreislauf untersucht werden muss, wie die Feinstaubablagerungen von PONCHO PRO in unserer Natur auf den Blütenpflanzen, wie z. B. Raps oder Löwenzahl, zur todbringenden Dosis für unsere Honigbienen werden.

Das Massensterben geht aufgrund der stabil guten Wetterlage weiter. Zum Schutz der Umwelt und der Bienen müssten aus unserer Sicht folgende Sofortmaßnahmen von der Bundesregierung eingeleitet werden:

Es hat sich bei dem Expertengespräch herausgestellt, dass für Pflanzenschutzgeräte Vorschriften bestehen, nach denen diese einer besonderen Sicherheitsprüfung unterzogen werden müssen. Für Sähmaschinen, die zwischenzeitlich riesige und hoch gefährliche Giftmengen als Feinstaub über unsere Landschaft verteilen, gibt es keinerlei Sicherheitsvorschriften. Das Feinstaubproblem könnte gelöst werden, wenn die Sähmaschinen am Luftaustritt (wo die tödliche Feinstaubwolke ausgeblasen wird) verpflichtend mit einem Partikelfilter ausgestattet werden müssten. Damit würden die Giftstoffe abgefiltert und unsere Honigbienen mit den anderen Blüten bestäubenden Insekten hätten die Rheinebene weiter als Lebensraum.Im Augenblick werden die Szenarien untersucht, die von den tödlichen Feinstaubwolken mit Clothianidin bis hin zum Massensterben der Honigbienen führen. Die Ausbringung von PONCHO PRO geht jedoch weiter, jetzt mit einer Soll-Empfehlung von BAYER bezüglich des Sähvorganges. Aus unserer Sicht müsste die Zulassung von PONCHO PRO aber so lange ruhen, bis die Ursachenzusammenhänge zwischen dem Beizmittel und dem Tod unserer Honigbienen geklärt sind. Dabei taucht möglicherweise im Juli ein weiteres Problem auf, wenn die mit PONCHO PRO gebeizten Maispflanzen in der Blüte sind und die Bienen sich mit dem kontaminierten Blütenstaub versorgen.
Minister Seehofer sind die Probleme aus einen Gespräch mit den Bundesimkerverbänden bekannt, aber man wartet ab und lässt mit der todbringenden Sähtechnik weiter den gebeizten Risikomais ausbringen. Bei uns resignieren viele Imker. Sie haben im vergangenen Winter im Durchschnitt 40 Prozent ihrer Bienenvölker an der Varroamilbe verloren. Jetzt stirbt der Rest in der Rheinebene still und leise vor sich hin.

Die Probleme mit den Beizmitteln von BAYER (z. B. Gaucho) sind aus Italien und Frankreich bekannt. BAYER war jeweils in die Verfahren involviert, streitet aber jede Verantwortung ab. Die elsässischen Imker wurden bereits mit Schreiben vom 09.03.2008 gewarnt, mit den Bienenvölkern in die Maisrisikogebiete einzuwandern. Zwischenzeitlich sind uns auch aus dem Raum Passau ähnliche Bienenschäden in PONCHO-PRO-Gebieten gemeldet.

Wir müssen feststellen: Wenn die Zusammenhänge nicht eindeutig geklärt und vorsorgliche Konsequenzen gezogen werden, ist zukünftig in der Rheinebene als dem Gebiet mit der größten Bienendichte Deutschlands Bienenhaltung nicht mehr möglich. Betroffen von dieser Katastrophe wären schätzungsweise 4.000 Imkerinnen und Imker mit 40.000 Bienenvölkern.

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Schäuble, ich bitte Sie deshalb um Ihre Unterstützung. Sollten Sie weiter Informationen benötigen, können Sie gerne auf mich zurückgreifen. Ich werde unser Anliegen auch den übrigen Bundestagsabgeordneten des Ortenaukreises zuleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Ekkehard Hülsmann
Vorsitzender
Landesverband Badischer Imker e. V.
Bahnhofstr. 35
77767 Appenweier
Tel.: 07805 2010
Fax 07805 2093