Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Oettinger MdL,
sehr geehrter Herr Staatsminister Stächele MdL,
sehr geehrter Herr Fraktionsvorsitzender Mappus MdL, CDU,
sehr geehrter Herr Fraktionsvorsitzender Schmiedel MdL, SPD,
sehr geehrter Herr Fraktionsvorsitzender Dr. Noll MdL, FDP/DVP,
sehr geehrter Herr Fraktionsvorsitzender Kretschmann MdL, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,

wie Sie sicher aus den Medien wissen, dauert seit nunmehr drei Wochen das Massensterben der Honigbienen und aller Blüten bestäubenden Insekten im badischen Landesteil an. Der Schwerpunkt der Katastrophe liegt im Maisanbaugebiet der Rheinebene zwischen Lörrach und Rastatt. Betroffen sind ebenso die Vorbergzonen und die nach Westen offenen Täler des Schwarzwaldes. Erste Schäden werden uns jetzt auch von der Baar gemeldet. Aus Bayern sind uns Bienenschäden mit PONCHO PRO aus dem Raum Passau und der Oberpfalz bekannt.

Dem Grund für das Massensterben unserer bestäubenden Insekten sind wir Imker am Sonntag, 04.05.2008, auf die Spur gekommen. Seit diesem Jahr wird der Mais gegen den Maiswurzelbohrer mit PONCHO PRO (BAYER) gebeizt, das das Nervengift Clothianidin in einer noch nie zum Einsatz gekommenen Hochdosierung enthält (zweieinhalb fache Wirkstoffmenge im Vergleich zum Basisprodukt PONCHO). Beim Sävorgang mit den pneumatischen Sägeräten wird bei jedem Maiskorn eine rote Feinstaubwolke dieses Nervengiftes freigesetzt, die sich über die Abtrift mit dem Wind über der gesamten Landschaft verteilt. Das Sterben unserer Honigbienen ist nur äußeres Zeichen der Umweltkatastrophe, von der auch alle Blüten bestäubenden Insekten betroffen sind. Da die Maisfelder in der Rheinebene direkt an die Wohnbauung angrenzen, legt sich die Feinstaubwolke mit dem Nervengift auch auf Terrassen, Kinderspielplätze und Hausgärten, wo gerade die ersten Erdbeeren reif sind. Die bisherige Entwicklung der letzten fünf Tage können Sie unserer Homepage www.badische-imker.de entnehmen.

Auch nach 30 Tagen ist das Massensterben unserer Honigbienen weiter in vollem Gange, die Flugbienen erleiden durch das Nervengift einen schlimmen Tod. Zwischenzeitlich melden Imker zusätzlich, dass auch Brut im Puppenstadium aus der Brutnestmitte entfernt wird. Diese Brut wurde wahrscheinlich mit kontaminierten Pollen und Nektar gefüttert und hat deshalb ebenfalls keine Überlebenschance. Und die nächsten Probleme zeichnen sich bereits ab. Wenn der gebeizte Mais Ende Juni/Anfang Juli blüht, tragen die Bienen den mit dem Beizmittel kontaminierten Blütenstaub in ihren Stock. Das Risiko, dass es dann erneut zu großen Schäden vor allem an der Brut kommt, ist nicht auszuschließen. Ebenso fatal wäre es, wenn in unserem Honig mit Beizmitteln kontaminierter Pollen gefunden würde.

Trotz des Massensterbens unserer Honigbienen, das sich weiter fortsetzt, wird die Aussaht von mit PONCHO PRO gebeiztem Mais nicht gestoppt, sondern geht ungebremst weiter. BAYER CropScience hat aufgrund der Katastrophensituation mit Fax vom 09.05.2008 an die Landwirte eine „Dringende Empfehlung“ verschickt, die Feinstaubgiftwolke „bodennah“ abzuleiten. Es heißt darin weiter: „Durch diese Vorsichtsmaßnahme soll verhindert werden, dass Abrieb des Beizmittels auf blühende Nachbarpflanzen gelangen“.

Für die Ortenau und den Landkreis Lörrach hat das Regierungspräsidium Freiburg die Landwirte per Allgemeinverfügung gezwungen, ausschließlich mit PONCHO PRO gebeizten Mais aus zu sähen. Alle anderen Maisanbaugebiete wurden vom Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg zu sog. Maiswurzelbohrer-Risikogebieten erklärt mit der ausdrücklichen Empfehlung, auch hier grundsätzlich mit PONCHO PRO gebeizten Mais auszubringen. Nach unseren Informationen haben alle für Biogasanlagen produzierenden Maisanbauer diese Empfehlung voll umgesetzt.

Von der Zulassungsbehörde wurden für PONCHO PRO folgende Anwendungsbestimmungen festgesetzt:

„Verschüttetes Saatgut sofort zusammenkehren und entfernen. Das Mittel ist giftig für Vögel, deshalb dafür sorgen, dass kein Saatgut offen liegen bleibt. Vor dem Ausheben der Schare Dosiereinrichtung rechtzeitig abschalten, um Nachrieseln zu vermeiden“.

Landwirte bestätigen uns, dass sie von keiner Seite über die Gefährlichkeit des neuen Beizmittels aufgeklärt wurden. Genauso unbekümmert gehen die Landwirte deshalb mit dem gebeizten Saatgut um. Wie Sie angehängten Bildern aus dem Ortenaukreis, wo per Allgemeinverfügung des Regierungspräsidiums Freiburg die Beizung mit PONCHO PRO vorgeschrieben ist, entnehmen können, liegen die rot gebeizten Maiskörner z. T. in großen Mengen offen entlang der Ackerstreifen und auf geteerten Wirtschaftswegen, die von Familien mit Kindern und Ausflüglern stark frequentiert werden. Auf Kinder üben die „roten Perlen“ eine magische Anziehungskraft aus. Wer die Maiskörner berührt, hat den roten Wirkstoffstaub des Nervengiftes an seinen Fingern. Über die Gefährlichkeit für Menschen ist in den Anwendungsbestimmungen nichts vermerkt.
Landwirtschaftsminister Hauk MdL hat uns Klärung der Zusammenhänge zugesagt, lehnt aber Sofortmaßnahmen ab. Mit dieser Haltung wird den Landwirten ermöglicht, den restlichen Risikomais auszusäen. Das Massensterben der Honigbienen wird dabei billigend in Kauf genommen.

Wir erwarten Sofortmaßnahmen durch das Land, um die Umweltkatastrophe zu begrenzen. Zu unseren Forderungen gehören

Sofortige Einstellung der Aussaat von Mais, der mit PONCHO PRO gebeizt wurde. Restbestände dürfen nicht durch Aussaat entsorgt werden.Wir fordern, dass die Zulassung von PONCHO PRO mit sofortiger Wirkung ruht, bis zufriedenstellende Ergebnisse über die von Minister Hauk eingeleiteten Klärungsprozesse über die Ursachen des Massensterbens der Honigbienen und alle Blüten besuchenden Insekten vorliegen.Wir fordern, dass für Sägeräte vergleichbar mit den Pflanzenschutzgeräten eine technische Überprüfung verpflichtend vorgeschrieben wird. Im konkreten Fall die Nachrüstung aller Sägeräte mit Feinpartikelfilter. Die Ablehnung, dies sei für die Landwirtschaft zu kostspielig, kann im Interesse der Umwelt kein Argument sein.Wir fordern, dass Landwirte ähnlich wie im Pflanzenschutz einen Nachkundenachweis erbringen müssen, wenn sie mit derart hochtoxischen Beizmitteln arbeiten.Wir fordern die Einrichtung eines Warndienstes, in dem die Imkerinnen und Imker über die Gefährlichkeit der ausgebrachten Beizmittel und den Zeitpunkt der Aussaat informiert werden.Wir fordern, dass die Maisblüte im Sommer, die mit Beizmittel kontaminierten Pollen enthält und damit ein weiteres Hochrisikopotential für die Bienenvölker darstellt, rechtzeitig entfernt wird. Dazu können schon jetzt die Stelzenschlepper mit den entsprechenden Mähbalken ausgerüstet werden.Wir fordern Schadenersatz für den entstandenen Schaden bei den Bienenvölkern durch eine verfehlte Beratungspolitik der Landwirtschaftsverwaltung. Der Verwaltung war bekannt, dass keine Erfahrungen über die Bienengefährlichkeit dieses hochtoxischen neuen Beizmittels vorliegen. Die negativen Erfahrungen der letzten Jahre mit Beizmitteln von BAYER aus Italien und Frankreich hat man dabei einfach ignoriert.
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Oettinger, sehr geehrter Herr Staatsminister Stächele, sehr geehrte Herren Fraktionsvorsitzende, die Not bei der Menschen und der Umwelt ist groß. Aus diesem Grunde bitten wir Sie fraktionsübergreifend um Ihre sofortige Hilfe.

Für Ihre Unterstützung danken wir und verbleiben mit freundlichen Grüßen

Ekkehard Hülsmann
Vorsitzender
Landesverband Badischer Imker e. V.
Bahnhofstr. 35
77767 Appenweier
Tel.: 07805 2010
Fax 07805 2093