Eine Pressemitteilung anläßlich der Demo gegen den Einsatz und Wiederzulassung von Clothanidin und den daraus resultierenden "Runden Tisch" vom Deutschen Berufs- und Erwerbimkerbund e.V finden Sie hier [52 KB] ...
Übrigens, auch der Deutsche Imkerbund hat sich zu Wort gemeldet; hier der Bericht [12 KB]

Weitere Links zu dieser Veranstatung (Zusammengestellt von Christoph Koch)

http://mittagsmagazin.zdf.de/ZDFde/inhalt/21/0,1872,7271189,00.html
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/543906?inPopup=true
http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2044/artid/8794057
http://www.mdr.de/nachrichten/5636478.html
http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEHAG75866220080717
http://www.n-tv.de/Ganze_Bienenvoelker_geschaedigt_ImkerDemo_gegen_Isektengi
http://www.netzeitung.de/wissenschaft/1093357.html
http://www.jungewelt.de/2008/07-19/043.php
http://linkszeitung.de/content/view/169271/1/

Bericht an APIMONDIA

Einen Bericht an den Präsident der APIMONDIA Jörgensen von Christoph Graf:

Sehr geehrter Herr Präsident Jörgensen,

nachdem im Mai und Juni 2008 in Baden die größte Bienenvergiftung stattfand, die es jemals in Deutschland gegeben hatte, (330000000 tote Bienen, 500000000 tote Wildinsekten) fand am 18.7. auf Vermittlung des ZDF im Bundesamt für Verbraucherschutz in Braunschweig ein "Runder Tisch" zwischen dem Präsidium des Bundesamtes, und der insgesamt achtköpfigen Delegation mit dem Präsidenten des europäischen Berufsimkerverbandes Häfeker, dem Präsidenten des DBIB Hederer, Prof. Bengsch vom Max-Planck Institut München und einem staatlichen Bienenzuchtberater statt. Ich nahm für die besonders betroffenen badischen Imker teil.

Die Imker forderten zunächst, statt den Nervengiften in Beizmitteln Fruchtfolge wie in der Schweiz.
Herr Häfeker berichtete, dass ihm in Brüssel von der zuständigen Kommission gesagt wurde, dass es doch für das MLR eine Alternative zum Einsatz von Poncho Pro gegeben hätte, nämlich Fruchtwechsel wie in der Schweiz. Minister Hauk hatte sich auf eine Anordnung aus Brüssel berufen.
Da das Bundesamt nicht für grundsätzliche politische Entscheidungen zuständig ist, wurde die Diskussion wesentlich auf die Gefahren von Clothianidin bei der Beizung von Raps und Maissaat beschränkt.
Das Bundesamt hält die Beizung beim Raps für sicher, da das Beizmittel am Raps besser hält, diese Saatmaschinen nur unwesentlich Stäube produzieren und auch die Dosierung das 2,5fache niedriger ist als im Mais.
Die Schädigung von 11500 Bienenvölkern in Baden führte das Bundesamt auf Probleme mit der Abluft der Saatmaschinen und auf die schlechte Haftung des Mittels am Saatgut zurück.
Einwendungen, dass in den letzten Jahren in Italien schon dies dokumentiert war, wurde entgegnet, dass die Dokumentationen erst im Juni 2008 in Übersetzung vorlagen. In Italien wurden 2008 auch 50000 Bienenvölker schwer geschädigt, in Slowenien ebenfalls. Italienische Imker hatten in Rom demonstriert.
Außerdem hätte kein deutscher Bienenwissenschaftler gewarnt.
Die Vertreter des DBIB wendeten ein, dass die deutschen Bieneninstitute im
Pflanzenschutz nicht für Bienen und Imker arbeiten würden, sondern für Bayer und BASF. Dies bestätigte auch Prof. Bengsch vom Max Planck Institut in München. Er verlangte Forschungen über das Absterben der Insekten in der sensiblen Häutungsphase, was bisher nicht erforscht wird. Auch wird ein Wirkstoff zugelassen, wenn nur bis 49% der Bienen sterben.

Bei der Maisbeizung räumte das Bundesamt folgende ungelöste Probleme ein:

Die von den Herstellern von Saatmaschinen favorisierte Technik ist hinsichtlich der Stäube, die bei Emmendingen zu einer Belastung von 112 ppb an Apfelblüten führten, diesbezüglich gerade die ungünstige Technik.
Eine Neuorientierung würde 5 Jahre dauern.
Die Aufnahme des Wirkstoffes aus dem Tau an Pflanzen ist ebenso unerforscht wie die Vergiftung der Wassersammelbienen, besonders, wenn Saautgut in Wasserpfützen an der Oberfläche liegt. Teile der Felder sahen
2008 sehr bunt aus, was wohl nie ganz zu vermeiden ist.
Voraussichlich wird Poncho Pro wieder zugelassen mit der Auflage, nur bis 5 km/h Wind zu säen. Aber wer wird sich daran halten, wer wird dies überwachen?
Auch die Belastung des Maispollens und subletale Dosen der Nervengifte müssten besser erforscht werden. Sie schwächen das Immunsystem, führen zur Desorientierung und verstärken die Wirkung von asiatischen Milben, Viren und Pilzen enorm.

Insgesamt positiv war, dass das Bundesamt einen besseren Kontakt mit den
Erwerbsimkern wünscht und so schneller reagiert werden könnte.
Prof. Tautz, Würzburg hat einen "Intelligenz- und Orientierungstest" für Bienen entwickelt, mit dessen Hilfe Belastungen durch Gifte registriert werden könnten.
Das Bundesamt sagte zu, Prof. Tautz anzuschreiben und um Unterstützung zu
bitten.
Es werden auch zukünftig weiter jährlich ein Anteil der Honigbienen
vergiftet werden, was schon im Zulassungsverfahren nicht ausgeschlossen wird.
Charles Huck, Präsidiumsmitglied des französischen Imkerverbandes UNAF
bemängelte als Redner der Demonstration von 250 Imkern in Braunschweig, dass es auch in Frankreich kein neutrales Institut mehr gäbe.
Als das badische Bienensterben bekannt wurde, wollten zunächst die deutschen Bienenwissenschaftler auf Krankheiten ablenken. Man hat dafür ein neues Virus erfunden.
Um die dramatische Situation der Bienen zu verbessern, bitten wir betroffene Imker die APIMONDIA als Weltorganisation alle
Bienenwissenschaftler weltweit zur Wahrheitsfindung aufzufordern und ehrliche Wissenschaftler vor Ausgrenzung zu schützen.
Die Methode von Prof. Tautz könnte geprüft und verbreitet werden.
Mit besten Grüßen
Christoph Graf